| FAQs
zum BRC/IoP Standard
Was
ist der BRC/IoP Standard?
Der BRC/IOP
Standard ist eine Leitlinie für Hersteller von Lebensmittelverpackungen
für Markenprodukte, die vom British Retail Consortium in
Zusammenarbeit mit dem Institute of Packaging erarbeitet wurde.
Es handelt sich hier um einen zertifizierbaren Standard, der sowohl
Hygienemanagement wie Qualitätswesen anspricht.
Für
wen trifft der Standard zu?
Der Standard
wendet sich an alle Hersteller und Lieferanten von Lebensmittelverpackungen
an den Groß- und Einzelhandel. Er ist aber auch geeignet
als Richtlinie zur Entschärfung der Kunden-Lieferanten-Beziehung
zwischen Verpackungshersteller und Lebensmittelproduzenten. Verpackungshersteller
selber können den Standard benutzen, um ihrerseits die eigenen
Lieferanten (z. B. von Rohmaterialien aber auch von Hilfspackstoffen
und Bedarfsgegenständen) zu bewerten.
Ist
der Standard Gesetz?
Wie der Qualitätsstandard
ISO 9000ff ist der BRC/IOP Standard kein gesetzliches Regelwerk,
sondern eine Leitlinie für Managementsysteme. Die Einführung
eines zertifizierten Systems kann jedoch den Betrieb in der Wahrnehmung
und Demonstration seiner lebensmittelrechtlichen Sorgfaltspflichten
im Rahmen der Produkthaftung unterstützen.
Für
welche Länder gilt der Standard?
Der BRC/IOP
Standard ist ein britischer Standard, der vom United Kingdom Accreditation
Service (UKAS) verwaltet wird. Seit seiner Veröffentlichung
am 16. Oktober 2001 hat er in seiner Bedeutung jedoch längst
die britischen Grenzen überschritten, und wird derzeit auch
von namhaften kontinental-europäischen Handelsverbindungen
als Richtlinie für die Kunden/Lieferantenbeziehung verwendet
(z. B. von der niederländischen Kette „Albert Hein“
oder der Handelskette „Migros“ aus der Schweiz).
Was
bedeutet der Standard für den Verpackungshersteller?
Mit Erfüllung
des BRC/IOP Standards beweist ein Betrieb, dass er sowohl ein
funktionierendes Qualitätswesens einschließlich aller
relevanten Prozeßkontrollen als auch ein zuverlässiges
Hygienemanagement auf der Basis der Prinzipien des HACCP-Konzepts
eingeführt hat. Der Standard schafft damit eine allgemein
gültige Basis für die Auditierung/Prüfung von lebensmittelverpackungsherstellenden
Betrieben. Dies bedeutet für den Verpackungshersteller, dass
er mit Erfüllung des Standards ein Niveau erreicht hat, das
nicht nur aktuelle, sondern auch potentielle neue Kunden zufrieden
stellen wird.
Welchen Nutzen hat der Betrieb davon?
Mit der Einführung
eines richtungsweisenden Audit-Standards soll ein durchgehendes
Niveau innerhalb der gesamten Lebensmittelkette bis zum Verbraucher
zu erreicht werden. Als Folge erfahren wechselseitige Inspektionen
zwischen Kunden und Lieferanten eine drastische Reduktion, ein
Umstand, der sowohl Zeit als auch Geld spart. Viele Lebensmittelhersteller
machen die Zertifizierung nach BRC/IOP mittlerweile zur verpflichtenden
Auflage für den Verpackungshersteller. Damit wird die Erfüllung
des Standards zum Instrument des Wettbewerbs.
Was
bedeutet das, wenn ein Betrieb dieses Zertifikat nicht hat?
Der Aufbau
eines Hygienemanagements vollzieht sich häufig nicht aus
der Selbstmotivation heraus, sondern auf Druck von außen.
Einzelne Unternehmen aus der Lebensmittelbranche haben bereits
ihren Zulieferern eine zeitliche Übergangsfrist zur nachweislichen
Umstellung auf den Technical Standard genannt. Danach wird es
heißen: „If you don’t comply – you don’t
supply (Zitat Terry Robins, Sainsbury).“ Damit werden nicht
zertifizierte Betriebe gegenüber vielen potentiellen Kunden
in Zukunft deutlich benachteiligt sein.
Was
bedeutet HACCP?
HACCP bedeutet
„Hazard Analysis Critical Control Point“ (= Gefahrenanalyse
und kritische Lenkungspunkte). Das Konzept wurde ursprünglich
für die Herstellung von unbedenklichen Lebensmitteln entworfen,
und beruht auf sieben Prinzipien des Codex Alimentarius.
Das HACCP-Konzept eines Betriebs wird üblicherweise im sog.
„HACCP-Plan“ beschrieben. Hier finden sich Prozeßabläufe
in Form von Flussdiagrammen (anderer Begriff: Fließschema),
die Betrachtung aller potentiellen Gefahren, die nach der Risikoeinschätzung
noch für relevant erachtet werden, die entsprechenden Beherrschungsmaßnahmen,
Prozeßkontrollen (sog. Monitoring) für die sog. CCPs
(= kritische Lenkungspunkte) sowie vordefinierte Korrekturmaßnahmen
im Havariefall. Auch die Verantwortlichkeiten sollten hier aufgeführt
werden.
Was
bedeutet „Codex Alimentarius“?
Die Aufgabe
der Codex Alimentarius Kommission besteht in der Ausarbeitung
weltweit gültiger Lebensmittelstandards. Sie dienen der Festsetzung
von Anforderungen an Lebensmittel in Bezug auf ihre Zusammensetzung,
Behandlung, Verarbeitung und Kennzeichnung. Sämtliche Mitgliedsstaaten
der EU sind hiervon betroffen. Die oben zitierten 7 Prinzipien
des HACCP-Konzepts bestehen gemäß Codex Alimentarius
aus den folgenden Elementen: Gefährdungsanalyse, Identifizierung
kritischer Lenkungspunkte, Festlegung von Grenzwerten, Monitoringverfahren,
Korrekturmaßnahmen, Wirksamkeitsüberprüfung und
Dokumentation.
Unser Betrieb kann bereits ein zertifiziertes HACCP / eine
HACCP-Konformitätsbestätigung aufweisen. Reicht dies
aus?
Das HACCP-Konzept
stellt nur einen Baustein im Aufbau des BRC/IOP Standards dar
(Abschnitt 3.1-5). Verfügt der Betrieb bereits über
ein gut etabliertes, funktionierendes HACCP-Konzept, so kann dieser
Abschnitt u. U. im Audit bereits bestätigt werden. Dies erfüllt
jedoch noch nicht die in den weiteren 6 Abschnitten geforderten
Auflagen.
Unser
Betrieb ist doch seit Jahren ISO 9000 zertifiziert – reicht
das nicht aus?
Obwohl der
BRC/IOP Standard auf wichtigen Qualitätsprinzipien aufbaut,
gibt ein funktionierendes Qualitätswesen noch keine Aussagen
über die Existenz fundamentaler Hygieneprinzipien. Ältere
QM-Systeme nehmen in der Regel auch noch keinen Bezug auf Verbraucherschutz.
Die Antwort ist also: nein.
Hilft
es, wenn ein Betrieb bereits ISO-zertifiziert ist?
Der Abschnitt
4 „Technical Management“ des BRC/IOP Standards zitiert
notwendige Prinzipien eines Qualitätswesens, z. B. Lenkung
von Dokumenten, Spezifikationen, Rückverfolgbarkeit, Reklamationswesen,
Rückrufverfahren, Prozesskontrollen und internes Auditwesen.
Hier können normalerweise zahlreiche Elemente aus der DIN
ISO 9001:2000 mitgeltend hinzugezogen werden. Im Zuge des Aufbaus
eines ganzheitlichen integrierten Managements bietet es sich an,
grundsätzlich geeignete Verfahren und Prozessanweisungen
aus Hygiene, Qualitätspolitik, Arbeitssicherheit und Umweltmanagement
zusammenzuziehen. Der Standard betont ausdrücklich, dass
bereits existierende Qualitätsverfahren, wofern sie mit dem
Standard übereinstimmen, akzeptiert werden dürfen.
Wie
fange ich an?
Vor der Erstbewertung
sollte der Betrieb den BRC/IoP Standard in Bezug auf seine Umsetzung
im Unternehmen kritisch prüfen und notwendige Veränderungen
oder Verbesserungen an den existierenden Strukturen vornehmen.
Dazu sollte das Dokument sorgfältig studiert werden. Der
Betrieb muss seinen Geltungsbereich und die damit zusammenhängende
Risikokategorie („A“ = Low Risk; „B“ =
High Risk) festlegen. Der erste Schritt ist in der Regel die Gründung
einer Steuergruppe als ausführendes und umsetzendes Organ
des Konzepts. Weitere Schritte sind die Benennung von Verantwortlichen
für einzelne Standardbereiche, Durchführung einer Gefährdungsanalyse,
Festlegung von Hygienebausteinen und Mitarbeiterschulung.
Was bedeutet „Kategorie A“ oder „Kategorie
B“? Woher weiß ich, wo ich einzuordnen bin?
Der Technical
Standard benennt zwei Risikokategorien, A und B. Das Risikopotential
eines Betriebs ergibt sich aus der Art der hergestellten Produkte
und ihres beabsichtigten Verwendungszwecks. Primärverpackungshersteller
unterliegen in der Regel den Auflagen der Kategorie „B“,
soweit das verpackte Lebensmittel keine eigene natürliche
Schutzschicht hat. Aber auch Sekundärverpackungshersteller
können in Kategorie „B“ eingestuft werden, wenn
Kontaminationsmöglichkeiten für andere Produkte über
die Verpackung möglich sind. Der Standard stellt hierzu ein
entsprechendes Entscheidungsbaumverfahren zur Verfügung.
Wie
lange dauert es, bis ein Betrieb zertifiziert wird?
Dies kann
durch die unterschiedlichsten Faktoren bestimmt werden, und ist
in erster Linie von der Betriebsgröße (Mitarbeiteranzahl
und Produktionsgelände) als auch von den vorhandenen Grundvoraussetzungen
(bauliche Strukturen, vorhandene Managementkonzepte, Mitarbeiterschulungsstand
etc.) abhängig. Die Einführung der notwendigen Dokumentation
kann, wofern der Betrieb nicht auf einem existierenden Qualitätswesen
aufbauen kann, zeitaufwendig sein. Notwendige bauliche Veränderungen
können ebenfalls den Zeitplan ausdehnen. Es empfiehlt sich
ein sogenanntes „Voraudit (= Pre-Assessment“) durch
einen qualifizierten Auditor, um den Ist-Zustand zu beurteilen
und aus den resultierenden Ergebnissen eine Aktionsliste aufzubauen.
Welche
Kosten kommen auf den Betrieb zu?
Es gibt zwei
"Arten" von Kosten: die ersten betreffen die notwendigen
Ressourcen des Betriebs (z. B. bauliche Optimierung, Ersatz aller
zerbrechlichen Lichtquellen durch unzerbrechliche/geschützte
Leuchtkörper, evtl. Einführung neuer hygienischer Arbeitskleidung
etc.), die zweiten betreffen Kosten, die durch Audit und Zertifizierung
anfallen. Üblicherweise wird zunächst ein Voraudit zur
Bestandaufnahme durchgeführt. Die Zertifizierung wird durch
ein offizielles Folgeaudit (sog. „Assessment Audit“),
in dem keine Nonkonformitäten auftreten dürfen, erreicht.
Bei geringen Nonkonformitäten kann die Zertifizierung bis
zur Erledigung der aufgefundenen Mängel zurückgestellt
werden. Evtl. ist hierzu ein Folgebesuch des Auditors notwendig.
Die Zertifizierungsgebühr wird jährlich fällig;
Wiederholungsaudit fallen zunächst halbjährlich, später
(bei guten Auditergebnissen) jährlich an. Die einzelnen Sätze
sind bei der jeweiligen Zertifizierungsstelle zu erfragen.
Wer
darf diesen Standard zertifizieren?
Zertifizierungsstellen,
die den BRC/IOP Standard zertifizieren, müssen durch eine
nationale Zertifizierungsinstanz akkreditiert sein. Zum gegenwärtigen
Zeitpunkt sind insgesamt 11 Zertifizierungseinrichtungen durch
UKAS (United Kingdom Accreditation Service) für die Auditierung
und Zertifizierung des BRC/IoP-Standards akkreditiert. Informationen
sind erhältlich über www.ukas.com. Deutschsprachige
Auditoren finden Sie unter www.qai.co.uk Untrügliches Zeichen
für die Anerkennung Ihrer zertifizierenden Einrichtung ist
das UKAS „Tick & Crown“ Symbol auf der Zertifizierungsurkunde!
Woher weiß ich, ob mein betreuender Auditor qualifiziert
ist?
Das Protokoll
des Technical Standard gibt strenge Richtlinien für die Qualifizierung
der sog. „Evaluators“ (= Prüfer) vor. Auditoren
rekrutieren sich normalerweise aus zwei Disziplinen: Lebensmitteltechnik
bzw. ein vergleichbares akademisches Studium oder Verpackungstechnologie
(als abgeschlossener Studiengang). Auditoren müssen zusätzlich
zu ihrer Hauptdisziplin eine mit einer Prüfung abgeschlossene
Ausbildung in der jeweiligen Nebendisziplin nachweisen, d.h. Auditoren
mit dem Schwerpunkt Lebensmittelwissenschaft müssen eine
Prüfung in Verpackungstechnologie (richtungsweisend ist hier
der EQIPT Kurs des britischen Institute of Packaging), Auditoren
mit der Ausbildung Verpackungstechnik und –entwicklung müssen
eine Prüfung/Zertifikat in angewandter Lebensmittelhygiene
vorweisen können. Zusätzlich muss jeder Auditor erfolgreich
die Prüfung zum Qualitäts-Chefauditor (Lead Assessor)
abgelegt haben. Also – am besten einmal nachfragen!
Wo
bekomme ich den Standard her?
Das
Originaldokument ist erhältlich über www.brc.org.uk
oder über The Contracts Manager, TSO, St. Crispins, Duke
Street, Norwich NR3 1PD, United Kingdom. Ein Ratgeber zum BRC/IOP
Standard mit Hinweisen zur Audit-Durchführung ist erhältlich
über engelconsultancy@aol.com
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